Wichtiger Waldrand

Ein Gastbeitrag von Christiane Mayer

In meinem Gastkommentar „Jede Blüte zählt…“ bekenne ich mich als leidenschaftliche Gärtnerin und Naturliebhaberin. Natürlich mag ich den Wald und mir ist klar, wie wichtig Wald für Mensch und Natur ist. Aber dennoch bin ich eben in erster Linie Gärtnerin und kenne mich mit Naturgärten aus. Aber wer Josef Guggemos kennt, weiß wie ansteckend seine Liebe zum ökologisch wertvollen Wald ist. Bei einer der Waldführungen, die ich mit ihm genießen konnte, zeigte er mir seine neu angepflanzten „Waldränder“. Da hatte ich mir noch nie wirklich Gedanken gemacht. Der Waldrand ist doch einfach da? Nein – ist er inzwischen nicht mehr. Viele Waldbesitzer kümmern sich bei der Aufforstung nicht um den Aufbau eines funktionierenden Waldrandes. Ja, ein guter Waldrand hat „Funktionen“. Er bietet Lebensraum für schützenwerte Pflanzen und Tiere und er bietet darüber hinaus auch Schutz für die Forstkultur.

Zuhause für allerlei Seltenes

Ich argumentiere natürlich an erster Stelle mit den Dingen, an denen mein Herz hängt: Raum für inzwischen selten gewordene Wildpflanzen und in deren Gefolge viele Tierarten. Waldränder sind sogenannte „Saumbiotope“ – sie sind Übergangsbereiche von Wald zu angrenzender Landschaft. Geht man in den Wald hinein, sollte der wirksame Waldrand einen „Krautsaum“ mit empfohlenen 5 Metern Breite haben. Es folgt der „Gehölzmantel“ mit einer idealen Breite von ca. 10 Metern. Dann das Areal der „Baumtraufe“ und schließlich der Wald.

Ich konnte, wie man sieht, wunderbare Fotos an den Waldrändern von Josef Guggemos machen. Die Vorkommen von Wildkräutern unterscheidet sich natürlich je nach Region und Standort. Die häufigsten Vertreter sind Springkräuter, Waldwicken, Weidenröschen, Fingerhut, Brennnesseln und Minze. Auch Himbeeren und Brombeeren gedeihen dort gut. Unendlich wichtig für die Insektenwelt, die wie inzwischen jeder weiß, hochgradig gefährdet ist. Tagfalter wie Waldbrettspiel, Perlmuttfalter, Bläulinge, Distelfalter und so weiter finden dort Nahrung. Heuschrecken, Käfer und die mir so wichtigen Wildbienen haben hier Rückzugsgebiete.

Lebensraum für Forstnützlinge

Die natürlichen Gegenspieler von Schadinsekten wie Frostspanner, Kiefernspanner oder Mailzünsler sind im Waldrand zu finden. Verschiedene Specht Arten, Neuntöter, Meisen und Fledermäuse sind hier in Aktion. Bussarde haben hier ihren Ansitz zur Jagd nach Mäusen auf den angrenzenden Wiesen. Auch Reptilien wie Ringelnatter, Blindschleichen, Kröten und Zauneidechsen sind in diesen Biotopen zu finden. Man sieht, nicht nur die Natur profitiert – auf lange Sicht auch der Waldbesitzer.

Windschutz und Filter

Gestufte Waldränder und Feldgehölze haben eine große Bedeutung als Windschutz. Vor allem in der Hauptwindrichtung aus Nord-Westen. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich gezeigt, dass auf Waldstücken, ohne vorgelagerten Waldrand, starke Windböen frontal auftreffen und oft ganze Bestände niederwalzen. Ein allmählich ansteigender Waldrand bewirkt, dass der Sturm sich gewissermaßen „totläuft“. Förster bezeichnen den Waldrand oft als „Haustür“ zum Wald.

An intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen können intakte, gut aufgebaute Waldränder auch verhindern, dass Spritzmittel in die Forstfläche eindringen können. Man kann hier von einer regelrechten „Filteranlage“ zum Schutz der Forstgehölze sprechen.

 

 

Ideen für die Bepflanzung

Vorschläge für sonnige und halbschattige Standorte:

  • Heckenrosen
  • Schlehen und Holunder
  • Ebereschen
  • Haselnuss
  • Heckenkirsche und Kornelkirsche
  • Weißdorn und Kreuzdorn
  • Weiden
  • Hartriegel
  • Brombeeren und Himbeeren

Vorschläge für schattige Standorte:

  • Gemeiner Schneeball
  • Pfaffenhütchen
  • Salweide
  • Faulbaum

Geeignete Baumarten für den Waldrand sind z. B. Hainbuchen, Elsbeeren, Ahorn, Stieleichen und Traubeneichen, Wildäpfel und Kirschen.

Neu gepflanzte Waldränder sollten unbedingt gegen Wildverbiss geschützt werden – auch hier kommen die Wuchshüllen der Firma Guggemos zum sinnvollen Einsatz, bis die Pflanzen sich etabliert haben und nicht mehr gefährdet sind.

 

Wissenswertes zu natürlichen Waldrändern

Die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten haben oft Informationen zur Anlage von funktionierenden Waldrändern. Ich habe beim „Deutschen Verband für Landschaftspflege“ unter www.lpv.de unter „Publikationen“ eine ausführliche Broschüre zum Thema „Waldrand“ gefunden. Man kann sich hier gut zur Bedeutung, Schutz- und Pflegemaßnahmen eines natürlichen Waldrandes informieren.

Nicht nur der Waldbesitzer, die Pflanzen- und Tierwelt profitieren von einem schönen und naturnahen Waldrand. Herrlich blühende Sträucher und Bäume im Frühling, Fruchtbehang im Sommer und teils wunderschöne Laubfärbungen im Herbst erfreuen die Spaziergänger und Anwohner – und da bin ich als Garten– und Naturliebhaberin Waldbesitzern wie Josef Guggemos dankbar, dass sie sich Gedanken um den Waldrand machen.

Christiane Mayer aus Affaltern